Aktmodell

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Foto: Werner Bandi mit Collie, Berner Oberland, unbekannter Fotograf, ca. 1955, © Verein Bob le Flaneur

Bob_Steffen001«1944 wurde ich Werner Bandi aus Spiez vorgestellt, damals war ich sechzehn und ging noch zur Schule. Werner fotografierte und suchte Modelle. Er bewohnte mit seiner Mutter ein schönes Chalet in Spiez. Am Sonntag fuhren wir mit der Kutsche nach Kandersteg und gingen wandern, dort hat er Fotos gemacht, die kann ich dir alle zeigen. Das war ein Freund, dieser Werner Bandi! Du hättest nie gedacht, dass der schwul ist…»
Während des 3. Reichs konnten sich begüterte, unabhängige Homophile in der Schweiz einen vergleichsweise unbeschwerten Lebensstil leisten. Sie trafen sich in schicken Privatwohnungen, gabelten an verschwiegenen Orten junge Männer auf und tanzten an den Festen des «Kreis» in Zürich. Einer von ihnen, Werner Bandi, fotografierte im Berner Oberland und im Tessin junge Epheben im Formenkanon der griechischen Antike und der Renaissance. Sein Lieblingsmodell:
Fredi St.

23 farbig bob akt auf steinÜber das Leben dieses bin anhin unbekannten Amateurfotografen lässt sich fast nur spekulieren. Geboren wurde Werner Bandi 1891 in der Hohmaad in Thun, welche damals seinem Grossvater gehörte. Die Jugend verbrachte er in der Pension «Erica» in Spiez. Seine früh Wittwe gewordene Mutter, Alice Bandi, geborene Engemann, hatte das kleine Hotel an guter Lage kurz nach der Jahrhundertwende gekauft und führte das im «Schweizerhäuschen»- Stil gebaute Etablissement bis 1928. Ausser seiner Herkunft lässt sich über Bandis Leben trotz intensiven Recherchen kaum etwas herausfinden. In Spiez genoss er – wegen der zahlreichen Männerbesuche – einen schlechten Ruf. Man verbot den Kindern, sich ins «Bandi-Haus» einladen zu lassen. Nach dem Krieg arbeitete er als Prokurist und Vertreter für die Kartonagenfabrik Hoffmann in Thun. Als er 1964 stirbt, ist Bob Steffen 36 Jahre alt und steht im Zenith seines Schaffens als Dekorationsgestalter.

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